Wie lebt Geschichte weiter, wenn Gebäude restauriert werden? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch den Tag, zu dem die RSP im Rahmen der “Tage der Restauratoren im Handwerk“ eingeladen hatte. Unter dem Titel „Spuren der Restaurierung“ begaben sich am Freitag, dem 7. November 2025, rund 110 Gäste auf einen außergewöhnlichen Stadtspaziergang zu ausgewählten Projekten, an denen die RSP in den vergangenen Jahren gearbeitet hat.
Auftakt an der Oper – fünf Gruppen, eine Leidenschaft
Um Punkt zehn Uhr versammelten sich die Teilnehmer auf den Stufen vor der Bayerischen Staatsoper. Nach kurzer Begrüßung wurden die Gäste in Gruppen verteilt, die jeweils von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der RSP begleitet wurden. Der Weg führte quer durch die Münchner Innenstadt – vom Herzen der Altstadt bis hin zur Industrie- und Handelskammer – und zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig Restaurierung im Handwerk sein kann.
Die Residenz: Türen, Vergoldung und Geschichte
Erste Station des Spaziergangs war die Münchner Residenz, ein Ort, an dem die RSP seit vielen Jahren immer wieder tätig ist. Im Gelben Treppenhaus, das im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört wurde, berichtete Martin Mundigl von der anspruchsvollen Aufgabe, die imposanten Türen auf der Grundlage alter Fotografien zu rekonstruieren.
In den Nibelungensälen, die mit großen Wandmalereien mit verschiedenen Techniken nach Motiven der Nibelungensage ausgemalt sind, berichteten Luise Doll und Ines Wolsdorff von der Restaurierung der großen Türen und den aufwendigen Vergolderarbeiten. Mit Geschichten aus dem Arbeitsalltag und Einblicken in technische Verfahren machten sie deutlich, wie viel Detailarbeit und Fingerspitzengefühl in jedem restaurierten Objekt stecken.
Unterwegs durch die Altstadt – Fenster im Fokus
Im Anschluss trafen sich alle Teilnehmer im Königsbauhof der Residenz, bevor der Spaziergang durch die Altstadt fortgesetzt wurde. Der Weg führte vorbei an der Theatinerkirche, dem Rosewood Hotel, dem Erzbischöflichen Palais in der Kardinal-Faulhaber-Straße und dem Palais Neuhaus-Preysing.
Überall dort hatte die RSP in den vergangenen Jahren Restaurierungsarbeiten durchgeführt – in vielen Fällen lag der Schwerpunkt auf der Sanierung und der Instandsetzung historischer Fensteranlagen. Dabei wurden die alten Holzrahmen sorgfältig restauriert, Profile nachgearbeitet und Verglasungen angepasst, um sowohl dem Denkmalwert, als auch den energetischen Anforderungen gerecht zu werden.
Ein besonderes Augenmerk galt den Eingangsportalen der barocken Theatinerkirche, die von der RSP umfassend restauriert wurden. Der Erhalt dieser mächtigen Holztüren – geprägt von Jahrhunderten wechselnder Nutzung und Witterung – war eine handwerkliche wie konservatorische Herausforderung. Heute präsentieren sich die Portale wieder in ihrer vollen Ausdruckskraft, ohne an Authentizität verloren zu haben.
Vom Stammhaus zur IHK – Handwerk im Dialog
Weiter ging es zum Stammhaus der Industrie- und Handelskammer München. Hier wurde die Fensterfassade vollständig von der RSP restauriert. Dabei lag der Fokus auf der originalgetreuen Aufarbeitung der Fenster, die mit traditionellen Techniken und modernen Materialien instandgesetzt wurden.
Nur wenige Schritte weiter, Hauptgebäude der IHK, erwartete die Gäste eine kleine Erfrischung, bevor es mit der letzten Station des Tages, dem Handelskammersaal, weiterging. Die Restaurierung und der Wiederaufbau des Handelskammersaals war eines der bedeutendsten Projekte der RSP in den letzten Jahren.
Die Holzvertäfelungen wurden restauriert und teilweise rekonstruiert, die Fenster umfassend saniert und – als Verbindung von Tradition und Moderne – in jüngster Zeit wurde eine Videowand integriert, die sich in das historische Erscheinungsbild einfügt. Die Holzvertäfelungen mussten. Das Ergebnis ist ein Saal, der Geschichte und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise miteinander vereint.
Fachvortrag und Ausklang
Die zahlreichen Stationen des Stadtrundgangs wurden zum Abschluss der Veranstaltung im Handelskammersaal noch einmal in einem Vortrag thematisiert. Das Publikum nutzte hier die Gelegenheit für Rückfragen und eine lebhafte Diskussion.
Ein Tag, der Spuren hinterlässt
Mit diesem seltenen Einblick hinter die Kulissen der Restaurierung wurde offenbart, wie viel Handwerkskunst, Forschung und Leidenschaft in der Restaurierung steckt, und wie wichtig der Erhalt von Kunst- und Kulturgütern für die Gestaltung der Zukunft ist.
Authoren: Katharina Neugart, Ingo Ross, Martin Mundigl
